Fest zum Internationalen Frauentag am Samstag, den 16.03.2019 um 19:30 Uhr im Bürgerhaus mit den Avantgardinen

Text und Bilder: Ursula Kaiser-Biburger

Auch wenn der Internationale Frauentag in Schwabach  erst nach dem offiziellen Termin gefeiert wurde, so geschah dies nicht weniger  hintergründig-kritisch wie  unterhaltsam und kommunikativ.

Dank der Organisatorinnen des Internationalen Frauencafés, die für diesen Abend  die „Avantgardinen“ , das musikalische Frauenkabarett aus der Region verpflichtet hatten, erlebten die Besucherinnen einen mit feiner Ironie und charmanter Selbstkritik gespickten Frauenabend, der dazu in bester musikalischer Präsentation eingepackt war. Bis auf den letzten Platz hatte sich der Bürgerhaussaal gefüllt, als Doris Bohle, die Sprecherin des Internationalen Frauencafés, auf die einhundert Jahre des Frauenwahlrechts bei ihrer Begrüßung einging. Sie erinnerte  aber auch auf die gut drei Jahrzehnte des Bestehens dieser internationalen Frauengruppe. Besonders sei Doris Bohle  stolz, ob der großen Resonanz, die diese Veranstaltung zum Frauentag über die Jahre hinweg wie auch an diesem Abend immer wieder erfahren hätten. Für das Internationale Frauencafé sei es ein wichtiges Anliegen, den Internationalen Frauentag mit einer Veranstaltung besonders hervorzuheben. Schließlich könne man noch immer nicht von einer Gleichstellung sprechen, wenn Frauen für die gleiche Arbeit  21 Prozent weniger als Männer verdienten. Von daher sei es auch naheliegend,  dass die städtische Gleichstellungsstelle hier seit vielen Jahren als Kooperationspartnerin bei dieser Veranstaltung auftrete. Deshalb übernahm es die Vorsitzende der Frauenkommission Ursula Kaiser-Biburger im Namen der erkrankten Gleichstellungsbeauftragten Sabine Reek-Rade nicht nur ihren großen Dank an die Organisatorinnen auszusprechen, die seit vielen Jahrzehnten mit viel Herz, Einsatz und einem reichhaltigen, international-vielfältigen Büffet jedes Jahr für einen rundum gelungenen Frauentag sorgten. So ein Engagement sei beispielhaft und verdiene auch in der Zukunft die Unterstützung der Frauen in dieser Stadt. Nicht nur an diesem Tage sollten Frauen deutlich hervortreten, sondern insbesondere dann, wenn Wahlen anstünden wie die kommende Europa-Wahl im Mai. „Wir können uns nicht immer beklagen, dass so wenige Frauen in den Parlamenten vertreten sind. Wir müssen selbst etwas dagegen tun! Es liegt an uns, wen wir wählen! Warum fällt es uns so schwer, Frauen zu wählen, die sich politisch einsetzen wollen? Immerhin liegt der weibliche Bevölkerungsanteil in Schwabach bei über 50 Prozent, aber entspricht dies auch der jetzigen Besetzung des Stadtrats?“, hinterfragte die Vorsitzende der Frauenkommission kritisch. Deshalb forderte sie die anwesenden Frauen im Bürgerhaussaal auf, bei der Europa-Wahl die Parteien mit ihren Kandidatenlisten und dem Frauenanteil genauer zu studieren, Frauen bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr ihre Stimme zu geben und aktiv bei der Wahl der nächsten Frauenkommission im Mai 2019 mitzumachen. Nur dann könne sich eher die Lage zugunsten von Frauen ändern. Schließlich sollte man in Schwabach stolz sein: Seit 1993 gebe es diesen städtischen Beirat, in dem Vertreterinnen aus Politik, Gruppen und Verbänden in einem größeren Kreis zum Wohl von Mädchen und Frauen überlegen und handeln.  Nach diesen politischen Ansagen, übernahmen die vier „Avantgardinen“ die Bühne, um ihrem weiblichen Publikum den kabarettistischen Spiegel vorzuhalten, wie sie von ihren Geschlechtsgenossinnen und von der Gesellschaft gesehen werden. Dabei wurden die Inhalte  als Rap, Schlager,  Evergreen und mit Highlights aus der klassischen Musik trefflich und unterhaltsam vermittelt.  Dabei legten Katharina Schiller, die kess als Schauspielerin und Moderatorin zusammen mit der großartig singenden Verwandlungskünstlerin Christine Truchseß-Sudermann die Träume von so mancher Frau offenbarte, die sich nicht nur nach einem Thermomix , sondern vor allem nach einem Mann sehnte, der zu Hause bleibt und sich auf das Babysitten freut, während die Ehefrau und Mutter ihren Job bei Siemens nachgeht. Dass für das Wohl der Familienmitglieder sonst mehrheitlich die Frauen zuständig sind, selbst wenn die Kinder schon eigene Familien haben, davon sang Christel Opp süffisant  mit ihrem Cello. Sie schilderte, wie es ist, wenn bei großen Familienfesten die erwachsenen Kinder samt Familie sich erneut an das „Hotel Mama“ erinnerten, in dem die Mutter bis zur Erschöpfung sämtlichen Ansprüchen gerecht zu werden versucht. Natürlich erhielten bei den „Avantgardinen“ auch die eigenen Geschlechtsgenossinnen ihre liebevollen gutgemeinten Seitenhiebe, als Christel Opp äußerst bemerkenswert die vielfältige Ehrenamtsarbeit, die vielfach von Frauen und ohne viel Dank ausgeübt wird, in unterkühlter ironischer Weise beleuchtete. Herrlich überspitzt griffen dagegen die Kabarettistinnen so manche bekannte Szene in jungen Familien heraus: So auch die Suche nach einem modernen, zeitgemäßen und pädagogisch wertvollen Schlaflied. Nicht weniger anstrengend zeigte sich Shoppingtour mit einer pubertierenden Tochter oder wenn sich Frauen untereinander streiten über das Ausmaß an schlechtem Gewissens  bei einer „Helikopter-Mutter“, wobei die Kinder überbehütet werden, und einer Karrierefrau, die sich an ihrem Job freut und ihre Kinder „fremd betreuen lässt“. Diesen dargestellten typischen Frauenthemen, die wohl den meisten Besucherinnen gegenwärtig sind, wurden dennoch mit großem Vergnügen und mit lauter lachender Zustimmung begegnet. Denn die vier Komödiantinnen verstanden es gekonnt, weibliche Stärken und Schwächen gleichermaßen, zwar übertreibend, aber feinsinnig und niveauvoll aufzugreifen. Einen großen Anteil an diesem musikalischen Kabarettabend hatte  Anne-Kathrein Jordan, die sich wahrlich als Zauberin am Klavier mit ihrer souveränen,  feinfühligen Begleitung erwies. In Schwabach bestritt sie an diesem Abend ihren letzten Auftritt nach neun Jahren mit den „Avantgardinen“. Dementsprechend wurde sie, aber auch ihre drei Mitstreiterinnen am Ende mit einem extra langanhaltenden, herzlichen Beifall nach etlichen Zugaben verabschiedet.